>>> Scheichs, Dunstschleier und Suppenklau
<<<

"Drei zwei eins... Peng! Mit dem Knall der Startpistole schnellt der
Puls in die Höhe. Attacke! Platz schaffen in der Enge des Starterfeldes.
Überholen, vorarbeiten. Die Beine fühlen sich gut an. Links vorbei. Rechts
vorbei. Schon 100 Höhenmeter. Gleichmäßig atmen, Rhythmus finden. Die
Motivation steigt, gleich ist der erste Gipfel in Sicht. Ein Schluck aus
der Flasche, oben gibt`s eine Verpflegungsstelle. Rein in die Abfahrt.
Volle Konzentration, eins werden mit dem Bike, rein in die Kurve. Sehr
schnell. Es scheppert und rüttelt. Viel zu schnell, das wird knapp, das
reicht nicht... es reicht doch. Schwung mitnehmen, Adrenalinflash. Wow!"
(© aus C. Listmann:
Mountainbike-Marathon, Delius Klasing Verlag)
So war es denn auch - ein voller
Erfolg. Mann und Maschine stimmten heute.




Lob 1:
Am Vortag gibt es die traditionelle
Startnummernausgabe und Nudelparty. Nudeln gibt es viele und leckere,
Nachschlag ist frei. Wir essen in der Mensa der FH und lernen
gleich nette Furtwängler kennen, die uns in die Details der
Streckenführung einweihen sowie noch ein paar Tipps geben. Dann fragen sie
noch "Was fährst du für ein Bike, damit wir dich morgen am Start wieder
erkennen?" Wir haben uns wieder erkannt. "Gute Fahrt!" Nette
Jungs.
Lob 2:
Petrus segnet uns
am Start mit einem heftigen Regenguss. Danach bleibt es zwar trocken, doch
bewölkt. Und wir strampeln bergauf, erreichen die Wolken und tauchen in
einen nebligen Wald ein. Man sieht vielleicht 20 Meter weit. Kurz darauf
reißt der Dunstschleier auf und wir sehen hinab in den schönen
Hochschwarzwald. Was für ein Schauspiel! Später, ab mittags zeigt sich immer
öfters die Sonne.
Lob 3:
Die Organisation
ist im 8. Jahr wie erwartet perfekt. In einigen Punkten sogar besser als
wir es je erlebt haben. Es gibt eine im wahrsten Sinne ausgezeichnete
Wegbeschilderung. Eine Vielzahl von Verpflegungsstellen, 6 oder 7
auf 90km, sorgen für neue Brennstoffe. Es gibt u.a. Wasser, Apfelschorle,
Isodrinks, Bananen, Riegel, Gebackenes, schließlich sogar Cola, Hefezopf
und Bouillon. Von allem gibt es reichlich und wird auch an jedem
Versorgungspunkt von großen und kleinen Helfern gereicht. Hier möchte ich
noch
dem kleinen Mädchen an der letzten Versorgungsstelle danken, das mir
aus lauter Übereifer versehentlich seine eigene Bouillon gereicht hat. Da ich zu gut in der
Zeit lag, konnte ich leider nicht umdrehen und sie dir zurückgeben. Die Suppe hat aber sehr gut
geschmeckt. Danke, du hast etwas gut bei mir!
Lob 4
(fettes Lob): 600
Helfer sind dabei. So motiviert und voller Euphorie. Das ist absolut
spitze. Vor allem die kleinen Helfer überschlagen sich förmlich, wenn es
darum geht, die Trinkflasche zu füllen, noch ein paar Riegel zuzuwerfen,
und dann feuern sie jeden an, der eilig weiter seines Weges zieht. Ebenso
die Streckenposten. Jeder (!) winkt deutlich erkennbar an Kurven,
signalisiert besonders gefährliche Passagen: "Vorsicht! Enge Kurve!"
"OK, Danke." Auch - oder vor allem - Ihnen ist es zu verdanken,
dass es heute zu keinem schweren Sturz kommt. Sicherlich wäre der eine oder
andere auch gerne mitgefahren.
Lob 5:
Die Schwarzwälder
sind begeisterungsfähig. Wieder arbeiten sie mit allen Tricks, um uns
anzufeuern. Klatschen, Jubeln, Stereoanlage, Kuhglocken, Rasseln. In den Dörfern, durch die wir fahren,
ist teilweise Volksfeststimmung. Sehr
beeindruckt hat mich der tanzende Scheich in St. Georgen. All diese Aufmunterungen sind durch nichts zu
bezahlen, wenn einem am steilen Anstieg bei Kilometer 70 der Kopf vor
Anstrengung platzen möchte und man sich fragt: "Wer hat mich
hier angemeldet? Was mache ich hier eigentlich?" Hätten wir die Hände
nicht zum Lenken gebraucht, so hätten wir den Schwarzwäldern zurück
applaudiert.
Kritik:
Es gäbe das eine
oder andere zu verbessern. Das ist ja immer so. Die Veranstaltung war aber
insgesamt so stimmig, dass man sie so belassen sollte, damit sie ihren
Charme nicht verliert. (Es hat übrigen nicht gestört, dass keine teuren
Superstars der MTB-Szene eingekauft wurden.)
War wunderbar, weiter so,
wir kommen wieder.
