Schüsse im Nebel   (10. Dez. 2004)

 

Nebel Im Nebel - Kontakt blauer Himmel in Sicht

 
Ein 25-Stunden-Dienst im Krankenhaus kann schon ganz schön an die Substanz gehen. Aber, er hat auch sein Gutes. Der nächste Tag ist frei! Und was machen wir da? Genau, es geht wieder auf in die Wälder.

Seit Tagen hält sich die Inversionswetterlage. Und so starte ich bei -1 °C in Freiburg. Im Sternwald wird es noch ein paar Grad kälter und bald verschwinde ich im Nebel. Totenstille. Kein Lüftchen bewegt sich. Man könnte eine Stecknadel fallen hören. Nur das Knacken des frostigen Bodens unter den Stollenreifen begleitet meine Fahrt. Richtig unheimlich. Da, was war das ... ! Nur ein paar vereiste Blätter, die zu Boden gehen. Ich wundere mich, dass man das überhaupt hört. Wieder Stille. Und dann dieser Nebel, undurchdringlich. Plötzlich ein markerschütternder Knall - ein Schuss. Ich weiß nicht genau wie sich ein Schuss anhört. Ich bewege mich gewöhnlich in Kreisen, in denen nicht geschossen wird. Aber so muss sich ein Schuss anhören. Ganz bestimmt ist es einer gewesen, nicht fern von mir. Sofort bleibe ich stehen und lausche. Jagd? Na, die wird im dichtesten Nebel ja wohl nicht erlaubt sein. Mord? Quatsch! Also Jagd! Jetzt höre ich Hundegebell. Ich sehe es schon vor mir:
>> MOUNTAINBIKER IM NEBEL BEI DER JAGD VERSEHENTLICH ERSCHOSSEN <<. Also benutze ich in kurzen Abständen meine Klingel in der Hoffnung, dass der Jäger weiß, wie sich so eine moderne Mountainbike-Klingel anhört. Vielleicht sollte ich lieber aufhören mit dem Klingeln. Nicht alle Förster mögen Mountainbiker, ich glaube fast gar keine. Pause, ich bleibe erneut stehen.
Wieder Stille. Dann beginnt das Gebell von neuem. Es liegt wohl vor mir und kommt näher. Es könnten auch 2 Hunde sein. Plötzlich bricht keine 20 Meter vor mir ein Wildschwein aus dem Gestrüpp, quert den Weg und verschwindet auf der Gegenseite. Ein zweites ... 3 ... 4 ... "schnell meine Kamera" ... 5 ... " einschalten" ... "OHH NEIN! Der Einschaltklang ist zu laut!! Hoffentlich fressen sie mich jetzt nicht!" ... 6 ... "sind die riesig" ... 7 ... "los, mach ein Foto!" ... 8 ... zack, Bild im Kasten. Kontrolle: Voll erwischt!

Herzfrequenz 139/minEin Blick auf meinen Pulsmesser zeigt mir, dass ich diese Situation irgendwie richtig aufregend finde. Immerhin stehe ich, Herzfrequenz 139/min. Vorsichtig mache ich mich nun wieder auf den Weg. Über mir rascheln die Wildschweine durchs Dickicht. Ich muss genau das letzte Wildschwein geknipst haben. Oder kommt doch noch eines? Vielleicht eine angeschossene Sau? Es soll hierzulande ja nichts Gefährlicheres geben (außer dem Menschen selbst natürlich). Ich beschließe nun folgende Taktik: Augen zu und durch. Sehen tu` ich eh nichts, also beschleunige ich. Nur heraus aus diesem Nebel.

Und endlich sehe ich erste blaue Stellen durch die Baumkronen hindurch scheinen. Es dauert nicht mehr lange und ich bin über den Wolken. Der Lohn der Mühe ist ein fantastisches Panorama vom Schauinsland bis zu den Schweizer Alpen. Die ungewöhnliche Wetterlage bringt es mit sich, dass die Temperaturen hier oben angenehm warm sind. Auf dem Rückweg belohne ich mich in der Rappenecker Hütte mit einem Stückchen Käsekuchen. Nach ein paar Worten scharrt sich die halbe Hütte um meine kleine Minolta Dimage-X, um meine Trophäe, das Wildschweinfoto, zu bestaunen. Fast jeder weiß die eine oder andere Gruselgeschichte über einen Wildschweinangriff zu berichten.

Auf dem Heimweg zeigt sich schon das Abendrot am Horizont. Ich mache noch ein paar Erinnerungsfotos und tauche wieder ab in den dunklen Nebel, ins Tal. Unten in Freiburg war es einfach nur ein trüber, grauer und nebeliger Herbsttag. Was für eine Tour!
  

Sonne auf dem Schauinsland (1) auf dem Schauinsland (2)
die 2 Windräder auf dem Schauinsland (bei Windstille) Kapelle über den Wolken - am Rappeneck Heimweg (1)
Heimweg (2) Sonnenuntergang zurück im Nebel

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