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Ein
25-Stunden-Dienst im Krankenhaus kann schon ganz schön an die Substanz
gehen. Aber, er hat auch sein Gutes. Der nächste Tag ist frei! Und was
machen wir da? Genau, es geht wieder auf in die Wälder.
Seit Tagen hält sich die Inversionswetterlage. Und so starte ich bei -1 °C
in Freiburg. Im Sternwald wird es noch ein paar Grad kälter und bald
verschwinde ich im Nebel. Totenstille. Kein Lüftchen bewegt sich. Man
könnte eine Stecknadel fallen hören. Nur das Knacken des frostigen Bodens
unter den Stollenreifen begleitet meine Fahrt. Richtig unheimlich. Da, was
war das ... ! Nur ein paar vereiste Blätter, die zu Boden gehen. Ich
wundere mich, dass man das überhaupt hört. Wieder Stille. Und dann dieser
Nebel, undurchdringlich. Plötzlich ein markerschütternder Knall - ein
Schuss. Ich weiß nicht genau wie sich ein Schuss anhört. Ich bewege mich
gewöhnlich in Kreisen, in denen nicht geschossen wird. Aber so muss
sich ein Schuss anhören. Ganz bestimmt ist es einer gewesen, nicht fern
von mir. Sofort bleibe ich stehen und lausche. Jagd? Na, die wird im
dichtesten Nebel ja wohl nicht erlaubt sein. Mord? Quatsch! Also Jagd!
Jetzt höre ich Hundegebell. Ich sehe es schon vor mir:
>> MOUNTAINBIKER IM NEBEL BEI DER JAGD
VERSEHENTLICH ERSCHOSSEN <<.
Also benutze ich in kurzen Abständen meine Klingel in der Hoffnung, dass
der Jäger weiß, wie sich so eine moderne Mountainbike-Klingel anhört.
Vielleicht sollte ich lieber aufhören mit dem Klingeln. Nicht alle Förster
mögen Mountainbiker, ich glaube fast gar keine. Pause, ich bleibe erneut
stehen.
Wieder Stille. Dann beginnt das Gebell von neuem. Es liegt wohl vor mir
und kommt näher. Es könnten auch 2 Hunde sein. Plötzlich bricht keine 20
Meter vor mir ein Wildschwein aus dem Gestrüpp, quert den Weg und
verschwindet auf der Gegenseite. Ein zweites ... 3 ... 4 ... "schnell
meine Kamera" ... 5 ... " einschalten" ... "OHH NEIN! Der Einschaltklang
ist zu laut!! Hoffentlich fressen sie mich jetzt nicht!" ... 6 ... "sind
die riesig" ... 7 ... "los, mach ein Foto!" ... 8 ... zack, Bild im
Kasten. Kontrolle: Voll erwischt!
Ein
Blick auf meinen Pulsmesser zeigt mir, dass ich diese Situation irgendwie
richtig aufregend finde. Immerhin stehe ich, Herzfrequenz 139/min.
Vorsichtig mache ich mich nun wieder auf den Weg. Über mir rascheln die
Wildschweine durchs Dickicht. Ich muss genau das letzte Wildschwein
geknipst haben. Oder kommt doch noch eines? Vielleicht eine angeschossene
Sau? Es soll hierzulande ja nichts Gefährlicheres geben (außer dem
Menschen selbst natürlich). Ich beschließe nun folgende Taktik: Augen zu
und durch. Sehen tu` ich eh nichts, also beschleunige ich. Nur heraus aus
diesem Nebel.
Und endlich sehe ich erste blaue Stellen durch die Baumkronen hindurch
scheinen. Es dauert nicht mehr lange und ich bin über den Wolken. Der Lohn
der Mühe ist ein fantastisches Panorama vom Schauinsland bis zu den
Schweizer Alpen. Die ungewöhnliche Wetterlage bringt es mit sich, dass die
Temperaturen hier oben angenehm warm sind. Auf dem Rückweg belohne ich
mich in der Rappenecker Hütte mit einem Stückchen Käsekuchen. Nach ein
paar Worten scharrt sich die halbe Hütte um meine kleine Minolta Dimage-X,
um meine Trophäe, das Wildschweinfoto, zu bestaunen. Fast jeder weiß die
eine oder andere Gruselgeschichte über einen Wildschweinangriff zu
berichten.
Auf dem Heimweg zeigt sich schon das Abendrot am Horizont. Ich mache noch
ein paar Erinnerungsfotos und tauche wieder ab in den dunklen Nebel, ins
Tal. Unten in Freiburg war es einfach nur ein trüber, grauer und nebeliger
Herbsttag. Was für eine Tour!
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