Patientenmundschutz bei Regionalanästhesien.
Hygienische Notwendigkeit oder entbehrliches Ritual?

Lahme T, Jung WK, Wilhelm W, Larsen R (2001)

Anaesthesist 50: 846-51
 

 

Zuammenfassung:

Fragestellung: Die Verwendung eines Mundschutzes im Operationssaal soll die Kontamination von Wundflächen und Instrumenten mit pathogenen Keimen reduzieren. Bei Patienten mit Regionalanästhesie bedeutet ein Mundschutz jedoch auch Nachteile: mangelhafte Beurteilbarkeit von Lippenfarbe und Schluckbewegungen, Beklemmungsgefühl, CO2-Retention, Kosten. Stellt der Mundschutz bei Patienten mit Regional­anästhesie einen Nutzen im Sinne der Unterbindung einer Keimkonvektion dar? Bislang untersuchte keine Studie die Effizienz eines Patientenmundschutzes.

Methodik: Insgesamt wurde bei 72 Patienten während aseptischer Operationen an jeweils 4 Messorten die Luftkeimzahl bestimmt: Regionalanästhesie mit Mundschutz 24, Regionalanästhesie ohne Mundschutz 22 sowie intubierte Patienten 26. Mittels eines Luftkeimsammlers (Impaktionsverfahren) wurden in 2 min 100 l Luft über einer Blutagarplatte angesaugt. Nach Inkubation bei 37 °C über 60 h wurde die Anzahl koloniebildender Einheiten (KBE) bestimmt und eine Keimdifferenzierung vorgenommen. Messorte waren OP-Feld, Anästhesieseite, vor und seitlich des Patientenmundes.

durchschnittliche Anzahl KBE an 4 verschiedenen Messorten bei Patienten mit und ohne Mundschutz sowie bei Patienten in IntubationsnarkoseErgebnisse: Unabhängig vom Messort konnte zwischen den Gruppen mit bzw. ohne Mundschutz kein signifikanter Unterschied der durchschnittlichen KBE-Zahl festgestellt werden (z. B. über OP-Feld: mit Mundschutz 5,5 ± 1,1; ohne Mundschutz 4,8 ± 1,2; x ± SEM). Eine signifikant höhere Luftkeimzahl zeigte sich jedoch bei Patienten in Allgemeinanästhesie (*p ≤ 0,05). Mit steigender Anzahl des OP-Personals stieg die Luftkeimkonzentration geringfügig an. Ein größerer Operationsumfang bedeutete nicht zugleich eine höhere Luftkeimkonzentration.

Schlussfolgerung: Der Patientenmundschutz vermindert die Luftkeimkonzentration über dem OP-Feld nicht und ist somit nach den Ergebnissen der vorliegenden Arbeit entbehrlich. Mit der Allgemeinanästhesie geht eine insgesamt höhere Luftkeimbelastung einher. Die Ursache hierfür ist unklar; denkbar wären vermehrt auftretende Luftturbulenzen durch eine erhöhte Aktivität und Anzahl des OP-Personals bei Allgemeinanästhesien.


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